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07.08.2020, 08:35 Uhr
Leichtathletik in Corona-Zeiten: Deutsche Meisterschaften 2020 in Braunschweig
Erwin Rüddel, der Vorsitzende der LG Rhein-Wied, drückt den heimischen Aktiven die Daumen
Neuwied. - Hätte es Corona nicht gegeben, würde am Sonntagabend in Tokio das Olympische Feuer nach zwei Wettkampfwochen erlöschen. Nun hat die Pandemie das Weltgeschehen seit Jahresbeginn aber im Griff, im Sport für die Olympia-Absage und zahlreiche Terminverschiebungen gesorgt, sodass es am Wochenende nicht in der japanischen Hauptstadt um – so hätte es der Zeitplan vorgesehen – vier olympische Leichtathletik-Medaillensätze, sondern in Braunschweig um die nationalen Titel der besten deutschen Springer, Werfer und Läufer geht, die diesmal unter besonderen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen ihre Wettkämpfe austragen.
Erwin Rüddel mit Kai Kazmirek . .
999 Personen dürfen sich zur gleichen Zeit im Stadion befinden, Zuschauer sind außen vor, fünf Athleten der LG Rhein-Wied allerdings mittendrin. Zehnkämpfer Kai Kazmirek zum Beispiel - einer derjenigen, die normalerweise in Tokio dabei gewesen wären. Der WM-Dritte von London 2017 hat Braunschweig gegenüber der Deutschen Mehrkampfmeisterschaft in Vaterstetten vorgezogen und nimmt in Niedersachsen über 110 Meter Hürden, 400 Meter und am Weitsprung teil. Endkampf-Chancen hat er im Duell mit den Spezialisten allemal, was er zum Beispiel mit einem schnellen Hürdensprint in Weinheim vor einer Woche unter Beweis stellte.

Die Flachsprinter Sophia Junk, Roger Gurski und Pascal Kirstges haben in der kurzen DM-Vorbereitung zuletzt ein hohes Pensum absolviert, um sich die nötige Wettkampfhärte zu holen. Junk gelang das mit persönlichen Bestzeiten über 100 Meter in Regensburg ausgezeichnet. Die 21-Jährige ist inzwischen bei 11,42 Sekunden angekommen. Allerdings sei die kürzeste Strecke, die die Stadion-Leichtathletik zu bieten hat, lediglich ein „Warm-up“ für die Polizei-Auszubildende.



. . und mit Sprinterin Sophia Junk

„Meine Priorität liegt auf den 200 Metern“, stellt Junk klar. Bevor über die halbe Stadionrunde am Sonntag um 12.50 Uhr der Startschuss zu den Halbfinals fällt, will sie am Samstag ab 18.10 Uhr im 100-Meter-Halbfinale aber natürlich trotzdem „110 Prozent geben“. Mit 23,38 Sekunden zählt Junk zur deutschen 200-Meter-Spitze, wenngleich sie Vorleistungen und Meldezeiten keine Beachtung schenkt: „Diese Ergebnisse sagen überhaupt nichts aus. Ich will in Braunschweig mit einer lockeren Einstellung antreten. Nachdem die U23-DM in diesem Jahr leider abgesagt wurde und weil die Konkurrenzen der Männer und Frauen eigentlich noch nicht meine Spielwiese sind, möchte ich Spaß haben, Erfahrung sammeln für die Zukunft und am Ende mit meiner Zeit zufrieden sein.“

Welche Zahlen auf der Uhr stehen müssen, um sie zufrieden stellen? „Ich werde es wahrscheinlich nur mit einer persönlichen Bestzeit sein. Meine Wunschvorstellung wäre eine Bestzeit und eine Top-Fünf-Platzierung. Dafür muss aber auch alles passen.“

Roger Gurski bewältigt das gleiche Programm. Am Samstag geht der Andernacher ab 18.35 Uhr in den 100- und am Sonntag ab 13.30 Uhr den 200-Meter-Halbfinals auf die Bahn. „Ich will an meine guten Zeiten anknüpfen und diese in den Wettkampf transportieren. Zuletzt lief es für mich im Training immer besser. Aber ich weiß, dass meine Form stimmt. Ich fühle mich gut“, kündigt Gurski an.

Als Vorletzter ins reduzierte 100-Meter-Teilnehmerfeld rutschte Pascal Kirstges. „Die Teilnahme ist für mich schon ein Erfolg. Wie alle anderen auch hatte ich aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen keine ideale Vorbereitung. Ich hoffe auf eine Saisonbestleistung, weiß aber auch, dass ich keine realistischen Chancen auf das Finale habe“, schildert der 23-Jährige.

Zu den neun Kugelstoßern, die sich am Sonntag ab 15.35 Uhr in den Ring begeben, befindet sich auch Leon Schwöbel. Seine im Juni des Vorjahres in St. Wendel gestoßenen 18,48 Meter bringen ihn auf Platz acht der Meldeliste, die der zweifache Weltmeister David Storl anführt.

„Wir freuen uns, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband in diesem Jahr noch fünf Deutsche Meisterschaften unter diesen erschwerten Bedingungen anbieten kann. Braunschweig stellt dabei sicherlich die Leuchtturm-Veranstaltung dar. Unsere fünf Athleten sind von ihren Heimtrainern optimal auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Wir sind gespannt, über wie viele Top-8-Platzierungen wir uns am Sonntagabend freuen dürfen und drücken allen die Daumen“, sagt Erwin Rüddel, der Vorsitzende der LG Rhein-Wied.

Die DM in Braunschweig wird am Samstag von 17.10 bis 19.55 Uhr in der ARD und am Sonntag von 17.10 bis 18.55 Uhr im ZDF übertragen.

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