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14.11.2019, 07:50 Uhr
„Schutzimpfungen sind lebenswichtig!“
Erwin Rüddel: Plädoyer für eine umfassende Vorsorge
Berlin / Wahlkreis. – Anlässlich der heutigen abschließenden Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention äußert sich der heimische CDU-Abgeordnete Erwin Rüddel, der in Berlin dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages vorsitzt, zu grundsätzlichen Fragen der Impfbereitschaft und zu den Risiken und Gefahren einer mangelnden Vorsorge.
„Schutzimpfungen sind anerkannte und bewährte Maßnahmen, um Infektionskrankheiten vorzubeugen. Sie verleihen einerseits Individualschutz und bewirken andererseits – eine hohe Impfbeteiligung vorausgesetzt - einen allgemeinen Schutz der Bevölkerung vor bestimmten Infektionskrankheiten. Durch diesen Kollektivschutz (Herdenimmunität) ist es in der Vergangenheit gelungen, in den entwickelten Industriestaaten diverse Krankheiten praktisch vollständig zu eliminieren; zu den bekanntesten Beispielen zählen die Pocken und die Kinderlähmung. Diese und andere Krankheiten waren lange wahre Geißeln der Menschheit, und ihr Verschwinden darf nicht vergessen lassen, dass es selbst heute gegen sie – einmal ausgebrochen - kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten gibt.

In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eine zunehmende Impfmüdigkeit verbreitet, die einem verantwortungsbewussten Gesundheitspolitiker Sorgen bereiten muss. Denn - ob Keuchhusten, Masern, Mumps oder Röteln - inzwischen halten viele Eltern Schutzimpfungen bei ihren Kindern für überflüssig. Dies ist deshalb ein höchst bedenklicher Befund, weil die Impfung gegen Krankheiten immer eine wirksame und effektive Prävention darstellt. Sie dient den Menschen, indem sie Krankheit und Morbidität vermeidet, und sie hilft unserem Gesundheitswesen, weil Vorbeugen stets billiger ist als die nachträgliche Behandlung von Krankheiten.

Wichtig in allen Altersgruppen

Stichprobenartige Erhebungen in unseren Pflegeeinrichtungen haben gezeigt, dass sich schon die Ermittlung der Impfdaten als ein schwieriges Unterfangen herausstellt. Viele Heimbewohner haben überhaupt keine Impfnachweise, ein vollständiger Impfschutz (Tetanus, Diphtherie, Pneumokokken) ist praktisch bei kaum einem Heimbewohner zweifelsfrei nachweisbar. Die Heimleitungen sind deshalb aufgefordert, insbesondere bei Neuaufnahmen die vorhandenen Impfungen möglichst vollständig zu ermitteln, damit auf einen altersgerechten Impfstatus hingewirkt werden kann.

Generell lassen die Impfraten bei Senioren ab 60 Jahren deutlich nach, und das, obgleich das Immunsystem mit zunehmendem Alter weniger leistungsstark ist und gefährliche Erreger nicht mehr so leicht abwehren kann. Das gilt z.B. für Pneumokokken; diese Bakterien können bei einer Schwächung des natürlichen Abwehrsystems im höheren Alter oder durch eine chronische Krankheit zu Lungenentzündung, Blutvergiftung und Hirnhautentzündung führen.

Impfung gegen Grippe

Fünf bis 20 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung infizieren sich jährlich mit einer Virusgrippe. Komplikationen treten vor allem bei älteren Personen und Menschen mit Grunderkrankungen auf. Besonders für chronisch Kranke und ältere Menschen gehört eine Grippeimpfung daher zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die leider immer noch zu wenig wahrgenommen wird.
 
Auch kleine Kinder tragen ein erhöhtes Risiko. Da die Viren sich ständig verändern, hat der Körper keine spezifischen Abwehrkräfte gegen neue Varianten. Die Impfstoffe werden daher jedes Jahr an die aktuellen Virus-Stämme angepasst, und der Impfschutz muss jährlich aktualisiert werden.

Man schätzt, dass in Deutschland eine Impfung bei älteren Erwachsenen die grippebedingte Sterblichkeit um 70 bis 80 Prozent reduzieren und bei gesunden Erwachsenen die Zahl der Krankheitsfälle um 70 bis 90 Prozent reduzieren könnte; es bedeutet auch ein erhebliches wirtschaftliches Problem, da die jährliche Grippewelle in unserem Land 5.000 bis 20.000 zusätzliche Krankenhausaufenthalte bewirkt. Nicht zu reden von den 8.000 bis 11.000 zusätzlichen Todesfällen.

Masern, Mumps, Röteln, Polio, Keuchhusten, Rotaviren

Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene trifft. Häufig kommt es zu Mittelohr- und Lungenentzündung oder gar – als schwere Komplikation – zu einer Entzündung des Gehirns. Dabei stirbt von den auf diese Weise Betroffenen etwa jeder fünfte, bei einem Viertel bleiben Folgeschäden zurück.

Immunitätslücken bestehen insbesondere bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren. Deshalb rät die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) Menschen dieser Altersgruppe zu einer einmaligen Masernimpfung, sofern sie bisher nicht oder nur einmal dagegen geimpft wurden. Die STIKO empfiehlt weiter, einen Kombinationsimpfstoff zu verwenden, um einer Erkrankung durch Masern, Mumps und Röteln vorzubeugen.

Überprüfen sollten Erwachsene auch, ob nicht eine Tetanus- und Diphtherieauffrischimpfung fällig ist. In diesem Fall kann ebenfalls ein Kombinationsstoff eingesetzt werden, der zusätzlich Schutz vor Keuchhusten und Kinderlähmung (Polio) bietet. Das empfiehlt sich nicht zuletzt vor Reisen in Gebiete mit akuter Infektionsgefahr. Dank moderner Kombinationsimpfstoffe kann man mit nur einem „Pikser“ gleich vier Erkrankungen vorbeugen.

Apropos Keuchhusten: inzwischen erkranken daran hauptsächlich Erwachsene; Fachleute gehen davon aus, dass jährlich etwa 110.000 Erwachsene in Deutschland an Keuchhusten erkranken. Eine Impfung beugt indirekt auch einer Erkrankung von Neugeborenen und Säuglingen vor. Darüber hinaus empfiehlt die STIKO besonders Frauen im gebärfähigen Alter sowie Menschen mit Kontakten zu Säuglingen, den Impfstatus alle 10 Jahre aufzufrischen.

Schluckimpfung bietet Kleinkindern wirksamen Schutz vor Rotaviren und dem dadurch bedingten Brechdurchfall. Jeder dritte Brechdurchfall bei Kindern unter fünf Jahren wird durch Rotaviren ausgelöst. Diese Infekte können bei Säuglingen und Kleinkindern lebensbedrohlich verlaufen. Häufig kommt es in Kindertagesstätten und Krankenhäusern zu einem epidemieartigen Ausbruch der Krankheit. Eine Schluckimpfung beugt wirksam vor.

Plädoyer für wirksame Vorsorge


Nicht nur im Alltag lauern Risiken und Gefahren, sondern auch bei Reisen in gefährdete Länder. Fern- und Geschäftsreisende sind deshalb gut beraten, ihren Impfstatus regelmäßig zu prüfen und aufzufrischen.

Impfungen können grundsätzlich von jedem Hausarzt, aber auch von allen Fachärzten durchgeführt werden. Die Kosten für von der STIKO empfohlene Impfungen werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Impfungen sind und bleiben der effektivste und kostengünstigste Schutz des Individuums und der Gemeinschaft vor Infektionskrankheiten. Alles, was zur Steigerung der Impfraten beiträgt, ist deshalb sowohl ethisch wie ökonomisch geboten. Es ist im Sinne der Menschen und im Sinne unseres Gesundheitswesens, vorbeugend zu schützen statt aufwendig zu behandeln.

Die Menschen, die derzeit ohne ausreichenden Impfschutz sind, sollten bedenken, dass sie durch die geschützt werden, die sich einer umfangreichen und aktuellen Impfung unterzogen haben. Und eigentlich sollte doch für jeden von uns das Gebot gelten, anderen Menschen möglichst nicht zu schaden.“

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