Neuigkeiten
10.11.2020, 23:50 Uhr
„Eine Krankenhausreform muss nicht gleich Neubau heißen“
In einem Gastbeitrag für die RZ reagiert Erwin Rüddel auf ein Krankenhauskonzept der Westerwälder FDP
Kreis Altenkirchen. - Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel (Windhagen) steht dem FDP-Vorstoß zur Krankenhauslandschaft im Westerwald ablehnend gegenüber. In einem Gastbeitrag für die Rhein-Zeitung macht er sich für einen „Masterplan Gesundheit“ stark, der die ambulante und stationäre Versorgung in der Region miteinander verzahnt. Der Beitrag im Wortlaut:
„Grundsätzlich befürworte ich als CDU-Wahlkreisabgeordneter und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag den Vorstoß, die Krankenhausplanung in der Region anzugehen. Die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme der Krankenhäuser in Altenkirchen und Hachenburg zeigen die Versäumnisse der Krankenhausplanung der amtierenden Landesregierung, zu der die FDP gehört, deutlich auf.

Seit Jahren gibt es mit Blick auf die Krankenhäuser deutliche Fehlentwicklungen. Hintergrund ist die permanente Unterfinanzierung der notwendigen Investitionen seitens des Landes Rheinland-Pfalz, aber auch die mangelnde Planungskompetenz ist mitverantwortlich für die aktuelle Misere. Den Plan eines Zentralkrankenhauses für den gesamten Westerwald halte ich allerdings für unverantwortlich. Explizit: Ich hoffe nicht, dass dies die Pläne der Landesregierung sind.

Um die Krankenhausversorgung zu sichern, ist eine aktive, kompetente Krankenhausplanung durch die Länder unverzichtbar. Sie sollte vom Gedanken getragen sein, in Ballungszentren durchaus die Anzahl der Krankenhäuser zu reduzieren und in den ländlichen Regionen auch kleine Krankenhäuser zu erhalten sowie durch Vernetzung von Kompetenzen, Weiterentwicklung von Aufgaben in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Digitalisierung und Spezialisierung eine gute Versorgungsqualität zu bieten.

Zudem müssen Qualitätsstandards und Fallzahlen in den Planungsprozess mit einbezogen werden. Gerade in ländlichen Regionen, wie dem Westerwald, müssen Krankenhäuser für die ambulante Leistungserbringung weiter geöffnet werden und es muss eine Sektoren übergreifende Planung stattfinden. Der Westerwald ist nicht vergleichbar mit Köln oder Berlin. Einen Kahlschlag in der regionalen Krankenhauslandschaft darf es auf keinen Fall geben, weshalb auch für kleine Krankenhäuser Perspektiven eröffnet werden müssen. Ein Zentralkrankenhaus zur Versorgung der ganzen Region halte ich für fahrlässig, da dadurch die Gesundheitsversorgung im Westerwald gefährdet wird!

Anstelle mit dem von der FDP geforderten Zentralkrankenhaus acht Krankenhäuser in der Region in Gefahr zu bringen, sollte lieber – unter Einbeziehung der Nachbarkrankenhäuser – geplant werden, wie man die Standorte Altenkirchen und Hachenburg weiterentwickelt und durch Spezialisierung die Standorte stabilisiert – ‚Rosinenpickerei‘ sowie regionale Doppel- und Mehrfachstrukturen in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander muss das Land in seinem Planungskonzept unterbinden. Es darf kein ruinöser Wettbewerb zugelassen werden; hier trägt das Land die alleinige Verantwortung.

Geprüft werden muss auch, kleinere Krankenhäuser unter Nutzung der vorhandenen Infrastruktur zu multifunktionalen Versorgungszentren weiterzuentwickeln, damit der Standort, die Versorgung und die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben. Diese Versorgungszentren können ambulante und stationäre Versorgung bieten, aber auch Angebote der Kurz- und Langzeitpflege – besonders im Bereich Intensivpflege von Wachkoma- und Beatmungspatienten – zur Verfügung stellen.

Gerade bei den Bedingungen, die der Westerwald in seiner Struktur einfordert, müssen Krankenhäuser in Verbindung mit Versorgungszentren und den niedergelassenen Ärzten das Rückgrat der Flächenversorgung bieten. Die Landesregierung darf sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen oder wichtige Akteure gar gegeneinander ausspielen, statt zu vernetzen.

Eine Krankenhausreform muss nicht gleich Neubau heißen, sie muss aber digital begleitet werden durch eine optimierte Patienten- und Personalsteuerung, entlastende Dokumentationssysteme, vorausschauende Logistik, Telemedizin und technische Assistenzsysteme. Nicht überall wird man jede Kompetenz vorhalten können, aber man kann über moderne Kommunikationssysteme ein Mehr an Kompetenz jedem Ort zuleiten. Mit dem Krankenhausdigitalfonds sorgen wir aktuell dafür, dass die Krankenhäuser weiter digitalisiert werden, dafür habe ich mich in Berlin erfolgreich eingesetzt.

Um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen, ist es gerade in ländlicher Region wichtig, auch den ambulanten Sektor im Blick zu behalten. Eine umfassende Krankenhausplanung muss von Beginn an Sektoren übergreifend angelegt sein. Wir benötigen keine Insellösung sondern vielmehr einen ‚Masterplan Gesundheit‘ für die Region, der die ambulante und stationäre Versorgung miteinander verzahnt. Länder und Kassenärztliche Vereinigungen müssen enger zusammenarbeiten, um weiterhin eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Neben der generellen Erreichbarkeit für die wohnortnahe Versorgung kommt es dabei vor allem auf die Notfallrettung und die stationäre Grundversorgung an.“

Diese Seite in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen:

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Windows Live
  • Yigg
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon