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05.03.2019, 16:10 Uhr
Vorsitzender des Gesundheitsausschusses: „Vertrauen in die Organspende stärken ist wichtiger als Diskussionen über Widerspruchslösung"
Berlin. - Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag ist sich sicher, dass mit dem Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende eine deutliche Verbesserung der Organisationsstrukturen erreicht werde. Dabei werden Transplantationsbeauftragte in den Entnahmekliniken von anderen Tätigkeiten freigestellt und es wird grundsätzlich eine bessere Finanzierungsbasis für die Organentnahme geregelt.
„Das ist ein erster wichtiger Schritt, der weiter ausgebaut werden muss. Bereits in der Ausbildung der betroffenen Facharztrichtungen muss das Thema Organtransplantationen behandelt werden“, fordert Erwin Rüddel MdB. Hier seien auch die entsprechenden Fachgesellschaften gefordert.

„Der Schlüssel für eine erfolgreiche Organtransplantation ist die schnelle Identifizierung eines möglichen Organspenders im Krankenhaus", ist sich der Gesundheitspolitiker sicher. Ebenso sei eine rechtzeitige und emphatische Begleitung der Angehörigen auf diesem Weg unerlässlich.  „Darüber hinaus müssen wir diskutieren, ob die Zustimmungslösung oder die Widerspruchslösung der richtige Weg ist. Existenziell für den Erfolg ist, dass die Bürger volles Vertrauen in die Organspendeprozesse haben. Deshalb bin ich sogar der Meinung, dass wir beispielsweise eine ,doppelte Zustimmungslösung' brauchen." Jeder Mensch, der zeitlebens sich zur Organspende bereit erkläre, würde erst dann im Todesfall tatsächlich zum Spender, wenn auch die Familie zustimme. Die erfolgreichen Länder bei der Organspende - Spanien und Dänemark - praktizierten beide diese doppelte Zustimmungslösung und erreichten dadurch einen hohen Grad an Vertrauen in der Bevölkerung. Entscheidend für ein erfolgreiches Organspendewesen sei allerdings nicht in erster Linie die Frage nach Widerspruchs- oder Zustimmungslösung, sondern die durchdachte koordinierte Organisation des Organspendeprozesses.

Das langjährige Mitglied im Gesundheitsausschuss spricht sich auch für eine Änderung im Bereich der Lebensspende aus: „Unter der Berücksichtigung absoluter Vertraulichkeit kann ich mir auch altruistische Überkreuzspenden vorstellen.“ Manche Menschen seien bereit, beispielsweise ihrem Partner oder einem Angehörigen eine Niere zu spenden. Wenn dies aufgrund von Unverträglichkeiten nicht möglich sei, wäre eine Überkreuzspende von zwei Paaren wie in anderen Ländern denkbar.

Um die Organspendebereitschaft zu steigern, müsse eine permanente öffentliche Sensibilisierung stattfinden; so sollte beispielsweise jeder Mensch bei offiziellen Behördenkontakten auf die Möglichkeit der Organspende hingewiesen werden. Ein weiteres Instrument könnte das Herztodkriterium sein: in Spanien wurden die Organspendezahlen um 30 Prozent erhöht, indem neben dem Hirntodkriterium die Organentnahme nach Herztod eingeführt wurde. In Dänemark sei dies ebenfalls geplant, während es in Deutschland streng verboten sei. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir in fünf bis zehn Jahren eine ethische Diskussion über das Herztodkriterium führen können“, so Erwin Rüddel.

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