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12.08.2020, 08:15 Uhr
Immer mehr Wölfe – und trotzdem „Weiter so“ ?
Erwin Rüddel plädiert für „rationale Politik statt Wolfsromantik“
Wahlkreis. – Es vergeht kaum ein Tag, an dem in der Lokalpresse nicht über Wölfe und Wolfsrisse an Weide- und Nutztieren auch im Kreis Neuwied und im Landkreis Altenkirchen berichtet wird. Die Population wächst dauerhaft jährlich um 30 Prozent, die Wolfsrudel werden größer und es gibt zunehmend mehr Wölfe und Rudel auch in der heimischen Region. Und die Probleme werden umso größer, je stärker sich der Wolf ausbreitet. Dabei gibt es für den Wolf, der im Bestand nicht gefährdet ist, zweifellos andere Regionen auf der Welt, die für seine Ausbreitung weitaus geeigneter sind als unser dicht besiedeltes Land und unsere vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft.
Je zahlreicher die Wölfe werden, desto stärker sind auch größere Tiere durch Übergriffe gefährdet. Schafe, Ziegen und Kälbchen gehören mittlerweile schon zur Standardnahrung des Wolfs. Auch Rinder, Fohlen und ausgewachsene Pferde sind zunehmend in Gefahr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Menschen durch den Wolf akut bedroht fühlen, zumal er inzwischen am Rande oder sogar mitten in Wohnbereichen gesichtet wird.

Auch im Wahlkreis klagen Waldbesitzer nicht nur über den Borkenkäfer, sondern über wachsende Rotwildpopulationen und Wildschweine, die aus Angst vor dem Wolf Lichtungen meiden und immer stärker in die Wälder ausweichen - mit dem Ergebnis, dass die Waldschäden zunehmen und der Wander-Tourismus in Gefahr gerät.

Seit 2000 wächst der Wolfsbestand in Deutschland exponentiell. Der derzeitige Bestand – die Schätzungen variieren zwischen 1.400 und 1.900 Tieren - dürfte deshalb weiter stark steigen. Entsprechend nehmen die Schäden immer mehr zu. Bereits im Jahr 2018 rissen Wölfe insgesamt 2067 Stück Weidevieh, darunter 1656 Schafe, aber auch etliche Dutzend Ziegen, 130 Rinder und sogar ein Lama. Die Länder, die für den Natur- und Artenschutz zuständig sind, gaben 2018 fast 2,6 Millionen Euro als Ausgleich für getötetes Vieh aus, ferner für vorbeugende Maßnahmen wie Elektrozäune und Hütehunde.

Einzelne Wölfe, die sich auf Nutzvieh als Nahrungsquelle „spezialisiert“ haben, treiben die Kosten hoch. So hat z.B. allein der „Rodewalder Rüde“ in Niedersachsen dem Land „Kosten von 1,25 Millionen Euro zusätzlich an Herdenschutzförderung“ eingebracht, klagte in Hannover der Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Niedersachsen ist überhaupt ein lehrreiches Beispiel: 2019 gab es 192 Angriffe und 591 Risse – gegenüber 2018 ein Anstieg um 65 Prozent. Und 2020 mussten bereits in den ersten fünf Monaten 420 Wolfsrisse verzeichnet werden. Es trifft Schafe, Ziegen, Kälber und Fohlen; ausgewachsene Pferde brechen in Panik aus ihren Koppeln aus und werden zur Gefahr für Menschen auf Straßen und Zugstrecken.


Alles spricht für eine Regulierung des Bestands

„Es ist nun einmal so, dass der Wolf in unserem dicht besiedelten Land und in unserer vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft eine Gefahr für Mensch und Nutztier darstellt. Deshalb bleibe ich dabei: je näher er dem Lebensraum der Menschen kommt, desto mehr wird eine Regulierung des Bestands erforderlich“, betonte der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel.

Letztlich könne auch kein Zaun für unsere Nutztiere hoch und sicher genug sein, um sie vor dem Wolf zu schützen. Eine verantwortliche Politik müsse die wirtschaftlichen Schäden und die extrem hohen Kosten von Schutz- und Sicherungsmaßnahmen (deren Wirksamkeit nicht garantiert sei) sowie die Frage nach dem langfristigen Überleben der Betriebe mit Tierhaltung in ländlichen Regionen wie der unsrigen zwingend im Blick haben.

„Muss die Gesellschaft wirklich für alle Schäden, die eine ungebremste Ausbreitung des Wolfes verursacht, unbegrenzt aufkommen“, fragt sich Rüddel. „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn die Zunahme der Wölfe unkritisch verklärt und bejubelt wird. Auch Weidetiere haben ein Recht auf Tierschutz. Denn Wölfe, die zum Beispiel Schafe oder Ziegen getötet haben, werden dies immer wieder tun und müssen daher aus dem Bestand entnommen werden.“

Grundlegend sei ein konsequentes Monitoring, d.h. eine genaue Beobachtung und Überwachung der wachsenden Bestände. Dies sei die Voraussetzung für alle weiteren Überlegungen und eventuell notwendigen Maßnahmen.

Seit Februar 2020 gilt ein von Bundestag und Bundesrat verabschiedetes Gesetz, wonach Wölfe nach Nutztierrissen auch von Hobbytierhaltern leichter geschossen werden dürfen, selbst wenn nicht klar ist, welcher Wolf für den Riss verantwortlich ist, und zwar so lange, bis es keine Nutztierrisse in dem Gebiet mehr gibt. In der Praxis scheinen sich die gesetzlichen Änderungen allerdings kaum auszuwirken. Und angesichts der bisherigen Erfahrungen mit der „grünen“ Wolfspolitik der Mainzer Landesregierung hegt Erwin Rüddel diesbezüglich „nur die denkbar geringsten Erwartungen“.

Hinzu kommt das Problem, dass wegen des fälligen „shitstorms“ der „Wolfsfreunde“ kaum noch ein Jäger, obwohl eigentlich für die Entnahme prädestiniert, freiwillig hierzu bereit wäre. Und wenn dann nach endlosen amtlichen Verwaltungs- und Verzögerungsakten „und nach genauer rechtlicher Einzelfallprüfung auf Basis von Ausnahmegenehmigungen“ schließlich doch ein behördlich zusammengestellter, bewaffneter Eingreiftrupp ausrücken sollte, dann, so Rüddel, „ist der Wolf in aller Regel leider unauffindbar“.


Statt eines sturen „Weiter so“ über konkrete Maßnahmen nachdenken

Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

„Planspiele, die auf eine weitere, faktisch unbegrenzte Ausbreitung des Wolfes in einem der am dichtesten besiedelten Industrieländer und damit auf die weltweit größte Wolfsdichte ausgerechnet in Deutschland hinauslaufen", bezeichnete Rüddel als „völlig verantwortungslos, zumal der gute Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland und in den Nachbarländern längst erreicht ist“.

Damit wendet sich der heimische Bundestagsabgeordnete auch frontal gegen das in Bonn ansässige Bundesamt für Naturschutz (BfN), das jüngst eine Studie zur „Abschätzung der potentiellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland“ vorgestellt hat. „Wenn die öffentlich Bediensteten in ihrer Bonner Behörde davon schwärmen, die Wölfe könnten in weiten Teilen Deutschlands sesshaft werden, da hierzulande angeblich „geeigneter Lebensraum für etwa 700 bis 1.400 Territorien vorhanden“ sei, dann frage ich mich ernsthaft, ob die Verfasser noch in der Realität unseres Landes leben. Denn „700 bis 1.400 Territorien“ würden nach den bisherigen Daten einem geschätzten Wolfsbestand zwischen 7.000 und 14.000 Wölfen in Deutschland entsprechen. Unser Nachbarland Frankreich, das bekanntlich flächenmäßig weitaus größer und deutlich dünner besiedelt ist als Deutschland, hat übrigens ein generelles Limit festgelegt. Mehr als 500 Wölfe sollen es nicht werden zwischen Alpen und Pyrenäen. - Finde den Fehler!“, fügte Rüddel trocken hinzu.

Konkret erhob der Abgeordnete die Forderung nach künftig möglichst umgehender „Entnahme“, sobald Problemtiere eindeutig identifiziert sind - statt endloser behördlicher Verzögerungen.

Ferner stellte Rüddel drei Punkte heraus:

„Erstens. Die Frage nach der Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht. Hierüber sollte noch einmal grundsätzlich, vorurteilsfrei und ergebnisoffen auf der Ebene der EU diskutiert werden.

Zweitens. Die Frage nach einer Obergrenze. Warum ist in Frankreich, wo die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union ebenfalls gilt, eine Obergrenze möglich, während hier bei uns eine Bundesbehörde die künftige Vervielfachung des Wolfsbestands herbei phantasiert?

Drittens. Die Frage nach einem Zonenmanagement. Diesen Gedanken hat der niedersächsische Umweltminister Lies (SPD) angesichts beängstigender Schadensmeldungen in seinem Bundesland in die Diskussion eingebracht. Im Kern geht es darum, den Wölfen nur noch zu gestatten, sich in bestimmten, genau definierten „Zonen" aufzuhalten.“


Abschließend fasste Erwin Rüddel seine Überlegungen so zusammen: „Ich behaupte nicht, eine Patentlösung für das Problem zu haben. Aber Naivität und Blauäugigkeit in Sachen Wölfe sind nach meiner Überzeugung fehl am Platz. Wenn Dinge aus dem Ruder laufen und vorhandene Probleme sich absehbar noch deutlich verschärfen werden, dann geht es nach meinem Verständnis von Politik darum, rationale Antworten und Lösungen für das jeweilige Problem zu finden. Dazu möchte ich mit meinen Überlegungen Denkanstöße geben, von denen ich hoffe, dass sie aufgenommen werden.“

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